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WildtierPark
Grafische Eule mit roter Fliege, Mütze und weissem Bart


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Uhu

Bubo bubo

Größe: bis 70 cm; Spannweite bis 180 cm

Gewicht: 1,5 bis 3 kg

Lebensdauer: bis 45 Jahre

Lebensraum: intakte, abwechslungsreiche Landschaften; zum Brüten Felswände und Steilhänge

Nahrung: kleine bis mittelgroße Säugetiere und Vögel; in Mitteleuropa hauptsächlich Igel, Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Kaninchen, Feldhasen, Rabenvögel, Tauben und Enten; speit unverdauliche Reste als Ballen (Gewölle) aus; dämmerungs- und nachtaktiv

Fortpflanzung: Balz im Februar/März; Gelege mit 2 bis 5 Eiern; Küken schlüpfen nach etwa 34 Tagen

Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika; in Mitteleuropa zeitweise infolge Bejagung auf Alpen und Mittelgebirge beschränkt; brütet auch im Kellerwald

Gefährdung: Stromschlag durch ungesicherte Strommasten und Oberleitungen der Bahn; Straßenverkehr; Stacheldraht; Klettersport; Pestizide


König der Nacht

Schaurig klingt sein Ruf durch die Nacht, lautlos schwebt er durch die Dunkelheit − der Uhu. In der Dämmerung macht sich die größte Eule der Erde auf die Jagd, denn ihre Sinne sind perfekt an die Dunkelheit angepasst. Mit seinen riesengroßen Augen, die zudem extrem lichtempfindlich sind, ist der Uhu zum Nachtsehen geboren. Sie sind unbeweglich, da der Augapfel mit dem Schädelknochen verwachsen ist. Nach vorne ausgerichtet ermöglichen sie ein besonders gutes räumliches Sehen. Das Sehfeld wird zwar durch die Unbeweglichkeit der Augen eingeschränkt, das kann der Uhu aber durch eine weitere Besonderheit ausgleichen: Seinen Kopf kann er um 270 Grad drehen, sodass er über den Rücken nach hinten schauen kann. Freie Sicht nach vorn ermöglicht ihm zudem sein nach unten gekrümmter Schnabel.

Der Uhu ist weitsichtig: In die Ferne kann er gut blicken, alles, was nah ist, sieht er verschwommen. Zum Ertasten der gefangenen Beute oder aber zum Füttern der Jungvögel hat der Uhu deshalb Borsten am Schnabelansatz und in den Mundwinkeln. Auf der Jagd macht sich der Uhu sein ausgesprochen gut ausgeprägtes Gehör zu Nutze – auf etwa 60 Meter Entfernung kann er seine Beute noch orten.


Lautloser Jäger

An seine Beute „schleicht“ er sich regelrecht heran: Durch seine sägeartig gekerbten Schwungfedern kann er ohne jegliche Fluggeräusche dahinschweben, sodass sich keine Luftverwirbelung bildet – das Überraschungsmoment ist auf seiner Seite. Wegen des lautlosen Angriffs und der perfekten Sinne entkommt dem Uhu kaum ein Beutetier. Die „Königseule“, wie der Uhu auch genannt wird, tötet ihre Beute mit einem Biss in den Nacken oder erwürgt sie mit ihren kräftigen Krallen. Im Ganzen mit Haut und Haar wird das Beutetier verschlungen. Das „Gewölle“, also die unverdaulichen Teile, wie Knochen, Haare und Federn, werden in Form von kleinen Ballen wieder ausgewürgt. Anhand der Gewölle konnte in Untersuchungen bestimmt werden, dass mehr als fünf Säugetierarten und 180 Vogelarten zum Beutespektrum des Uhus gehören. Ratten, Mäuse und Igel stehen häufig auf seinem Speiseplan – alles bis zur Größe eines Feldhasen oder Mäusebussards kann er vertilgen.


In beständiger Dauerehe

Uhus sind sich treu: Sie leben in monogamer Dauerehe – circa 500 Brutpaare gibt es in Deutschland. Anders als bei den meisten Vögeln baut der Uhu kein Nest, sondern legt zwei bis vier Eier in einer Felsnische oder einem Steinbruch ab, wo sie vor Fuchs, Mader, Wildschwein und Co. sicher sind. Hin und wieder kommen auch Baum- oder gar Bodenbruten vor. Eine freie  „Einflugschneise“ ist das wichtigste Kriterium für die Brutplätze.

Im Nationalpark Kellerwald gab es in den letzten Jahren zwei Uhu-Reviere. Zwei weitere Brutpaare leben in unmittelbarer Nähe – ihre Reviere reichen in den Nationalpark hinein.