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08.12.2021

Zwei Quellbäche werden im Dezember und Januar im Nationalpark renaturiert

Verrohrungen als Behinderung der natürlichen Bachökologie werden beseitigt – Lebewesen können dann wieder bachaufwärts wandern

Bad Wildungen. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee stellt seit vielen Jahren mit großem Erfolg den natürlichen Verlauf von Fließgewässern wieder her. Dadurch können bachbewohnende Arten wieder bachaufwärts in die oberhalb gelegenen Gewässerabschnitte gelangen. Das trägt entscheidend zur biologischen Vielfalt in den Fließgewässern bei. In Kürze werden im Schutzgebiet die Arbeiten an zwei Quellbächen aufgenommen, die im Januar abgeschlossen werden. Innerhalb der nächsten zehn Jahre sollen die restlichen Störstellen sukzessive beseitigt werden.

 

Ab 15. Dezember werden die Arbeiten unterhalb der Traddelbornquelle an der Bathildisstraße zwischen Tannendriesch und Elisabether Platz im oberen Bereich des Küchengrundes beginnen. Dazu muss die Bathildisstraße ab der kommenden Woche für einige Tage vollständig gesperrt werden. Bis Weihnachten werden die Arbeiten dort abgeschlossen sein. Anschließend werden im Januar am Klingesebach oberhalb des Nationalpark-Eingangs Emdenau Richtung Tannendriesch Verrohrungen im Bachverlauf entfernt. Währenddessen muss der Weg ebenfalls für mehrere Tage vollständig gesperrt werden. Die Arbeiten an den beiden Quellbächen finden unmittelbar angrenzend oder in nächster Nähe zum Weltnaturerbe statt, weshalb so behutsam wie möglich vorgegangen wird.

 

Die dort liegenden Verrohrungen werden durch einen wesentlich breiteren, zur Gewässersohle hin offenen Kastenprofildurchlass ersetzt. Die Quellbäche bekommen so einen natürlichen Verlauf und die Gewässersohle ist dann für die Organismen durchgängig. „Wenn die Tiere im Gewässer wieder natürlichen Bodenkontakt bekommen, gelingt es ihnen auch, wieder in die oberen Quellbachbereiche aufzuwandern, aus denen sie vorher natürlicherweise verdriftet worden sind. Dies trägt zur Artenvielfalt im gesamten Gewässerabschnitt bei", erklärt Bernd Schock, Gewässerexperte der Abteilung Naturschutz, Forschung und Planung. Davon werden an diesen Standorten unter anderem insbesondere der Alpenstrudelwurm und die Vierkant-Köcherfliege profitieren. Der Alpenstrudelwurm zählt zu den Reliktarten im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Er konnte sich nach den Eiszeiten in kühl-temperierten Lebensräumen erhalten und gilt als Anzeiger für absolut sauberes Wasser. Weitere Arten wie Dunkers Quellschnecke oder der Gewöhnliche Süßwasserflohkrebs, die beide ebenfalls die gute Wasserqualität widerspiegeln, kommen in den Quellbächen auch vor.

 

Insgesamt sind die Lebensräume in den Quellen und Fließgewässern im Nationalpark intakt. Wenn Wege einen Bauchlauf queren, gibt es vielfach noch punktuelle Bachverrohrungen. Diese sind ein Wanderhindernis für wirbellose Organismen, die in der Bachsohle leben. Dazu zählen unter anderem Steinfliegen, Köcherfliegen, Strudelwürmer, Flohkrebse, Schnecken und Muscheln. Bereits seit der Gründung des Nationalparks arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Nationalparkamts intensiv daran, diese Hindernisse zu beseitigen – mit Erfolg: „Wir haben über 180 Störstellen an Gewässern bei uns im Nationalpark identifiziert und 75 davon sind bereits renaturiert", sagt Schock. Gleichzeitig trägt die Nationalparkverwaltung durch die Wiederherstellung der Gewässer in einen guten Zustand dazu bei, dass das Land Hessen internationalen Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie entsprechen kann.

 

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee gibt es rund 1.000 Quellen. Seit 2009 wurden allein in den Fließgewässern circa 280 vorkommende wirbellose Organismen erfasst. Quelluntersuchungen im Schutzgebiet ergaben knapp über 1.000 verschiedene Arten, die Quellbereiche nutzen – nicht wenige davon sind speziell an diese Lebensräume gebunden. Die Renaturierung solcher Lebensräume möchte die Nationalparkverwaltung weiter vorantreiben: „Die restlichen Störstellen im Nationalpark wollen wir innerhalb der nächsten zehn Jahre sukzessive angehen und beseitigen", sagt Schock.


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