| | |


WildtierPark
Boggel


Zum Inhalt

Rothirsch

Cervus elaphus

Schulterhöhe: 120 bis 150 cm

Gewicht: 70 bis 300 kg

Lebensdauer: bis 20 Jahre

Lebensraum: ursprünglich tagaktiv in Steppen; heute meist nachtaktiv in Wäldern

Nahrung: Gras, Kräuter, Knospen, Eicheln; Wiederkäuer

Fortpflanzung: Brunftzeit von September bis Oktober; 1 bis 2 Kälber nach etwa 34 Wochen

Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika; in Deutschland Beschränkung auf Rotwildbezirke

Gefährdung: Zerschneidung der Lebensräume; fehlender genetischer Austausch; Straßenverkehr


König der Wälder ohne Reich

Stolz und elegant schreitet der Rothirsch durch die urigen Buchenwälder im Nationalpark. Noch vor 150 Jahren konnte unser größtes Wildtier über weite Strecken wandern. Im Sommer lebte er in den Wäldern der Berge. Wenn im harten Winter die Nahrung knapp wurde, zog er in die tiefer gelegenen Auelandschaften. Ein alter Fernwanderweg verläuft vom Thüringer Wald über Burgwald und Kellerwald bis ins Rothaargebirge. Mit seinem natürlichen Trieb zu wandern ist der Rothirsch ein Sinnbild intakter Natur. Doch heute ist er ein König ohne Reich und ein Wanderer ohne Weg. Denn der Mensch erlaubt ihm per Gesetz nur kleine Inseln zum Leben. Dort wird er gejagt, da seine natürlichen Feinde Bär, Wolf und Luchs ja fast ausgerottet sind. Verlässt er diese Waldgebiete, muss er erlegt werden, denn er kann im bewirtschafteten Wald Schäden anrichten, indem er die Rinde der Bäume abschält. Straßen und Siedlungen verhindern seine Wanderungen.

An das Leben im Wald und an die Jagd hat sich der Rothirsch angepasst. Den Tag über versteckt er sich. Nur in der Dämmerung und nachts kommt er heraus, um zu äsen. Mit seinen seitlich ausgerichteten Augen hat er seine Umgebung immer im Blick, ohne sich viel bewegen zu müssen. Nur in ungestörten Lebensräumen kann man ihn auch am Tag beobachten. Im Nationalpark könnte dies schon bald möglich sein.



Alles Recht dem Platzhirsch

Das weibliche Rotwild verbringt den Großteil des Jahres gemeinsam in Familien oder Rudeln. Ein erfahrenes Muttertier führt sie, bestimmt Tagesrhythmus, Äsungsplätze und Ruhezonen. Auch die männlichen Tiere schließen sich zu Rudeln zusammen. Ältere Hirsche leben als Einzelgänger. Bis zu 20 Kilogramm Gras, Kräuter, Knospen und Früchte frisst ein Hirsch am Tag. Als Wiederkäuer würgt er das Gerupfte in Ruhepausen wieder hoch, um es zu einem gut verdaulichen Brei zu zermalmen. Erst zur Paarungszeit im September ziehen die Hirsche zu den Weibchen auf die Brunftplätze, um sich zu paaren. Mit lautem Röhren lockt der Platzhirsch weitere weibliche Tiere an. Er beansprucht sie alle für sich und begattet sie alle allein. Ständig ist er dabei auf der Hut, um Rivalen zu vertreiben. Bei schwächeren Nebenbuhlern reicht ein bisschen Imponieren. Trifft er starke Hirsche, kommt es zum Duell. Laut krachen die Geweihe ineinander. Mit aller Macht versuchen die Gegner sich gegenseitig wegzuschieben – bis einer flüchtet. Nach etwa 230 Tagen – im Mai oder Juni – bringt jede Hirschkuh ein Kalb zur Welt.



Wie entwickelt sich ein Geweih?

Jedes Jahr im Februar wirft der Rothirsch sein Geweih ab. Bis zu 14 Kilogramm kann es wiegen. Erst 140 Tage später ist ein neues gewachsen. Am Anfang ist das knöcherne Gebilde noch von einer durchbluteten Haut überzogen und sehr empfindlich. Im Juli dann streift der Hirsch diese sogenannte Basthaut an Bäumen ab. Und wieder ist das Geweih ein wenig größer und verzweigter – hat mehr Enden. Ein 20–Ender ist auf dem Höhepunkt seiner Kraft und 10 bis 12 Jahre alt.