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WildtierPark
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Waschbär

Procyon lotor

Schulterhöhe: 20 bis 30 cm

Gewicht: 3,5 bis 9 kg

Lebensdauer: bis 16 Jahre

Lebensraum: gewässerreiche Misch- und Laubwälder; große Vorkommen in Siedlungen und Städten

Nahrung: Allesfresser; pflanzliche Kost und Insekten, Schnecken, Würmer, Kleinsäuger, Vögel

Fortpflanzung: Paarungszeit im Februar 2 bis 5 Junge nach etwa 9 Wochen

Verbreitung: ursprünglich Mittel- und Nordamerika; heute auch in Deutschland, Nordfrankreich, südliches Weißrussland, Kaukasus; 1934 am Edersee ausgesetzt

Gefährdung: keine


Einwanderer aus Nordamerika

Ursprünglich kommt der Waschbär aus Nordamerika. Seit 1934 ist er auch in Deutschland heimisch. Um die hessische Flora und Fauna zu bereichern und den wertvollen Pelzlieferanten nach Europa zu bringen, wurden am Edersee zwei Waschbärenpaare ausgesetzt. Das Preußische Landesjagdamt in Berlin hatte eine offizielle Erlaubnis zur Aussetzung im Forstamt Vöhl ausgesprochen.

Die Waschbären konnten sich rasant verbreiten, da sie in der Tierwelt keine natürlichen Feinde fürchten müssen. Neben Pflanzen gehören Kleinsäuger, Würmer, Schnecken, Käfer und Vögel zum Nahrungsspektrum des Allesfressers. Zudem plündert er die Nester der Singvögel, was ihn zu einem unbeliebten Räuber macht.



Vom Land- zum Stadtstreicher

Mit Unbehagen und Sorge wird auf die Ausbreitung des Waschbären geschaut: Hat er sich doch weiter eingebürgert, als ursprünglich gedacht − ist in einigen Regionen sogar zu einer regelrechten Plage geworden. So beispielsweise in Kassel-Wilhelmshöhe, wo er Mülltonnen auf der Suche nach etwas Essbarem durchwühlt. Aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit besiedelt er nicht nur die bevorzugten gewässerreichen Misch- und Laubwälder, sondern auch Bergwälder und urbane Gebiete. Überall findet der nachaktive Allesfresser Nahrung. Bereits 1954 erklärte Hessen als erstes Bundesland den Waschbären zum Jagdwild, denn das Bewusstsein, den Waschbären als Gefahr für die heimische Tierwelt anzusehen, stieg an. Der Waschbär zählt somit zu den gebietsfremden Arten, den sogenannten Neozoen. Ob die Schäden, die der Waschbär in menschlichen Habitaten, auf Obstplantagen und gegenüber heimischen Tierarten anrichtet, das Maß erreichen, um den Waschbär zu den invasiven Neozoen zu zählen, ist strittig.



Schwarz-weißer Maskenträger

Seinen Namen verdankt der Waschbär dem Eintauchen von Gegenständen und Nahrung in Wasser. Er wäscht seine Nahrung allerdings nicht wirklich, sondern betastet sie sorgfältig, indem er sie zwischen seinen sensiblen Vorderpfoten hin und her rollt. Es ist ein instinktives Beutefangverhalten, dass er auch imitiert, wenn kein Wasser in der Nähe ist. Neben dem ausgeprägten Tastsinn ist die schwarz-weiße Zeichnung ein typisches Merkmal der Waschbären. Die charakteristische schwarze Maske über dem weißen Gesicht ist schon bei der Geburt  angedeutet und tritt zehn bis zwölf Tage später deutlich hervor. Zwei bis sieben Jungen werden im Frühling nach einer Tragzeit von etwa 65 Tagen geboren.  Die Mutter zieht sie allein auf, bis sie sich im Herbst allmählich von ihr trennen. In Gefangenschaft können Waschbären über zwanzig Jahre alt werden. Ihre Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt mit 1,8 bis 3,1 Jahren aber weit darunter. Gründe sind Jagd und Verkehrsunfälle – die zwei  häufigsten Todesursachen in vielen Gebieten.