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WildtierPark
Boggel


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Wisent

Bison bonasus

Schulterhöhe: 180 bis 195 cm

Gewicht: bis 1.000 kg

Lebensdauer: bis 25 Jahre

Lebensraum: ausgedehnte Laub- und Mischwälder

Nahrung: Gras, Kräuter, Laub, Knospen, Rinde, Moos; Wiederkäuer

Fortpflanzung: Paarungszeit von August bis Oktober; 1 Kalb nach etwa 38 Wochen

Verbreitung: ursprünglich gemäßigte Zonen Eurasiens; heute in Urwäldern von Bialowieza und Karpaten; Auswilderungsprojekt in Wittgenstein

Gefährdung: stark gefährdet; fehlende Lebensräume; geringe genetische Variabilität; Epidemien


Relikt der Eiszeit

Seit der Ausrottung des Auerochsen vor 350 Jahren ist der Wisent das schwerste und größte Landsäugetier Europas. Als Höhlenzeichnungen zierte das Wildrind bereits zur Eiszeit die Wände, konnte in den 1920er Jahren nur durch Aufnahme in zoologische Gärten vor dem Aussterben bewahrt und bis heute gerettet werden.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es noch einen Restbestand von 200 bis 500 Tieren in den Urwäldern von Bialowieza im Osten Polens. Die Tiere kamen aber im Ersten Weltkrieg um. Im Jahr 1921 traf die Kugel eines Wilderers das letzte frei lebende Wisent tödlich. Die ersten Wisente aus der Nachzucht der Zoologischen Gärten konnten 1954 wieder im Nationalpark Bialowieza ausgewildert werden − mit Erfolg, denn heute lebt 60 Prozent des Weltbestandes an Wisenten wieder in freier Wildbahn.



Ruhige Gemüter

Zwölf bis zwanzig Tiere bilden eine typische Wisentherde – bestehend aus erwachsenen Kühen, zwei- bis dreijährigen Jungtieren und Kälbern. Die Gruppenkonstellation wechselt oft, wenn Herden aufeinander treffen und sich anschließend wieder trennen.

Im August wächst die Herde, da Bullen sich zur Fortpflanzung der Herde anschließen. Sie leben ansonsten in separaten Gruppen, ältere Bullen sind oft Einzelgänger. Während der Paarungszeit ist die Grundstimmung der Herde verhältnismäßig ruhig, auch wenn Konkurrenz herrscht – die älteren Bullen vertreiben die jüngeren durch Kopfsenken und Schwanzschlagen. Aggressiv gehen sie in der Regel nicht gegeneinander an, sondern toben sich an Bäumen, herabhängenden Ästen oder liegenden Stämmen aus. Unter den Wisenten herrscht Polygamie: Ein Bulle deckt mehrere Kühe, wobei der Harem aus zwei bis sechs paarungsbereiten Kühen bestehen kann. Nach einer Tragzeit von durchschnittlich 264 Tagen kommen einzelne Kälber zur Welt.



Nicht zu unterschätzen!

Neben dem ruhigen Wesen lassen Größe und Gewicht der Wisente vermuten, dass sie sich meist langsam fortbewegen. Dennoch können sie beim Galoppieren Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen. Dies schaffen sie allerdings nur über eine Strecke von wenigen hundert Metern – schweren Atems müssen sie dann pausieren.

Erstaunlich ist, dass Wisente aus dem Stand drei Meter breite Bäche oder zwei Meter hohe Zäune überspringen können – eine Meisterleistung für ein solches Schwergewicht.